Pornographie

author / 28.Aug.2009

Ich schließe mich ja persönlich der Analyse Katrin Rönickes vollständig an. Diese Erkenntnis (der zwangsweisen Veränderung von körperlicher Ästhetik und Sexualität durch Pornographie) bringt mich aber zu dem Punkt: Woher kommt denn dieser Einfluss? Wer genau treibt den voran? Wer schaut denn aktiv und dauerhaft die ganzen Pornos und wendet sie dann auf sein Leben und das seiner Umwelt an? Ich kenne niemanden der das tut (oder vielleicht nur keinen der das zugeben würde).

Ich gehe mal einen Schritt weiter. Ich habe vor kurzem in der SZ gelesen, dass sich Frauen in der Pornoindustrie um Los Angeles (aber wahrscheinlich auch sonst überall) die Haut um die Rosette bleichen lassen um rosiger auszusehen. Nach dieser Information haben sich mir zwei Fragen gestellt: Wollte ich das wissen und mir dann vorstellen? Und warum habe ich eigentlich bis dahin gelesen? Ich glaube das Pornographie die bürgerlichen Medien fasziniert und mit ihnen ihre Leser. Aber es bleibt immer eine Faszination von etwas Fremdem, etwas Abstoßendem. Das Wallpaper* Magazine hat nun ein wunderbares Video des Photographen und Video Künstlers Robbie Cooper produziert, in dem man Menschen kennenlernt, die regelmäßig und bewusst Pornos konsumieren. Sie sprechen darüber, wie sie dazu gekommen sind und weshalb und wie sie damit heute umgehen. Zwischendurch lernt man sie auch bei ihrer logischen Tätigkeit während des Betrachtens von eben diesen Pornos kennen: Masturbierend.

(via Wallpaper* Magazine)

Die Kunst des Fahrradfahrens

author / 20.Aug.2009

Es gibt sie, ja, all die praktischen Fahrräder. Und, ja, es gibt auch ganz schnelle Sportgeräte. Rennräder, Hollandrad, Citybike, Cruiser, Chistiania-Cargo-Räder, Klappräder, Klapperschen, Alltagräder, Tiefeinstiegsrad, Damenrad, Herrenrad und es gibt Fixies. Dazu muss mittlerweile nichts mehr gesagt werden, auch nicht aus Sicht all der Bedenkenträger und Staatsbediensteten. Aber stopp, doch muss es: Es handelt sich dabei ganz einfach um die vorläufig reinste Gattung der Spezies “Fahrrad”. Graziös und gleichzeitig vollkommen starr. Vielleicht kommt es dem Vergleich barfuss vs. alpiner Trekkingschuh gleich, nimmt man sein Tagesrad und tauscht es gegen ein solches Gefährt ohne Kompromisse . Oder auch dieses.

Nun gibt es ja unendlich viele Straßenrennen und waghalsige Manöver auf Youtube und Co. zu betrachten, gerade mit Fixies. Was ich hier aber an (meine) Öffentlichkeit zerren möchte ist die vorher erwähnte Ästhetik des Ganzen, denn die bildet für mich den Unterschied, das “Stehenbleiben” vor dem Werk.

Kondolenzanzeige 2.0

author / 11.Aug.2009

Ich weiß nicht warum (dabei möchte ich es auch belassen) , aber ich habe eine leidenschaftliche Vorliebe in Zeitungen die Todesanzeigen zu lesen. Ich meine nicht nur drüberschauen, Namen erhaschen, sondern tatsächlich den Text zu lesen. Ich stelle mir dann die Menschen die ich nicht kenne vor. Am besten funktioniert das bei Menschen, denen gleich mit zwei oder mehreren Anzeigen gedacht wird. In Zeiten der Wirtschaftskrise wird das wohl seltener werden. Tja.

Nun bin ich gerade zufällig über ein Video bei diesem großen Anbieter gestolpert, dass genau das ist: ein Nachruf. Ein bisschen weitersuchen eröffnete mir eine ganze Rubrik an Filmchen: R.I.P. – rest in peace. Da trauert Ronny1988 um Mandy, Jaqueline um Maik. Flamewars entfachen bei der Frage ob Knuddelmaus85 nun Renés beste Freundin war oder doch nur eine blöde Schlampe. So ist das in Brandenburg. (oder eben überall auf der Welt).

Ganze Solzialstudien könnte man mit den Kommentaren dieser Videos veranstalten. Am Ende ist die Vergänglichkeit des Lebens eben genauso unvermeidbar wie die Form des Zusammenlebens.

Zustände unseres Zusammenlebens

author / 29.Jul.2009

So entfernt einem manche Menschen manchmal erscheinen, sie ganz in Frage zu stellen, ist doch eher selten. Hier wird man eines Besseren belehrt. Oje. Es gibt auch ein Video dazu.

He did it

author / 28.Jul.2009

Nach einer langen Wackelpartie: Der erste Milchzahn hat Oskars Kieferbett verlassen.

iPhone 3G nach Sturz reparieren

author / 27.Jul.2009

Zu den guten Eigenschaften den iPhone 3G gehört ja relativ robust zu sein. Aber eben nicht uneingeschränkt. iPhone plus Asphalt ist eben keine gute Idee. So kam es dann auch zu folgender Reparatur-Session. Nur bebildert, ohne Text. Selbsterklärend denke ich.

Der Bus [Update]

author / 26.Jul.2009

Nun kann ich ihm mir endlich anschauen, den Bus. Ein Mercedes Benz T2 410 Bj. ‘83. Der fast 7 Meter lange DüDo (umgsp. für Düsseldorfer, dem Herstellungsort) nimmt einem 18 Liter pro 100 Kilometer ab und stößt die verbleibenden Abgase un-katalysiert in die Umwelt. Deswegen gibt’s auch nicht die Euro-Norm E4, E3, E2, E1 oder E0, sondern gar keine. Der kleine M121 Motor schnurrt angenehm vor sich hin und rüttelt einen auch nicht (wie seine Diesel Kollegen) im Stand durch. Dank Automatikgetriebe und angenehm wenigen 100 PS schiebt sich der Bus genüsslich über den Asphalt. Der Rundum-Panorama-Blick lädt zu schönen Ausfahrten ein. (Wahrscheinlich wurden in diesem Teil die unsäglichen Folgen der Serie “Kein schöner Land” des RBB gedreht, oder gefahren.)

Als Fahrzeug einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt (SFB und danach RBB), ist er sehr gut erhalten, hat ein top Unterboden und macht auch sonst einen immer-bereiten Eindruck. Nun muss ich noch auf die Überwindung der Verkäuferin warten, denn sie verkauft den Bus wirklich ungern.

Update 28.JUL.2009

Ich darf ihn nun haben! Am 10.AUG.2009 ist Übergabe. Bis dahin sollte ich die Anmeldung, die Versicherung usw. fertig haben. Hui!

Gute Steine vs. schlechte Steine

author / 26.Jul.2009

Rohrbrüche sind ja im Allgemeinen schon richtig doofe Sachen, wenn aber das Rohr in der Erde verbuddelt ist und gefühlte zehn Tonnen Steine draufliegen, wird das alles noch viel, viel blöder. Dabei sind schlechte Steine genauso schwer wie gute Steine. Einziger Vorteil, man muss am nächsten Morgen kein Frühsport machen. Yeah!

Vorgeschichte

Das iPhone verlockt ja gerade dazu schöööne laaange SMS zu schreiben. Da ich zur Fraktion Ich-schaue-erst-auf-Konto-wenn-die-Karte-an-der-Supermarktkasse-abgelehnt-wird gehöre, hatte ich auch nur die ersten paar Rechnungen betrachtet. Nun hat sich einiges geändert und so stellte ich eines Tages (nach der Installation von Mein BudgeT um genau zu sein) fest, dass ich pro Monat so an die 150 SMS verschicke. Mein erster Gedanke war natürlich SMS-Hijacking. Ich hatte davon noch nie gehört, was meiner Phantasie noch mehr Möglichkeiten einräumte: Dunkle Gestallten saßen des nächtens in raucherfüllten Zimmern an runden Pokertischen und schicken ahnungslosen alten Damen Drohungen über fällige Kreditraten und Jugendlichen Enttarnungen ihrer vermeintlichen Musikdownloads. Eine Verschwörung gegen mich? Würden die Opfer sich möglicherweise organisieren und mir auflauern? Jetzt hieß es ermitteln. WER schickt von WO, WARUM auf meine KOSTEN SMS?

Ich hatte Glück, ich stand nicht inmitten einer riesigen Verschwörung, sonder schicke (ja, das tue ich auch weiterhin) nur sehr gern, sehr lange SMS. Mir war nicht klar, das die Beträge (Größe und Preis) einer SMS tatsächlich im Jahr 1992 stehengeblieben war. Ich meine damals hörten wir so was wie “Jump” (Kris Kross) und “Tears In Heaven” ( Eric Clapton) . Das hat sich ja auch geändert.

Problem

Pro SMS können 160 Zeichen bei GSM 7-bit Kodierung , 140 Zeichen bei 8-bit Daten und 70 Zeichen bei 16-bit UTF-16 übermittelt werden. Die zweite SMS benötigt einen kleinen Header und kommt daher nur auf 146 Zeichen (bei 7-bit) usw. usf. Benutz man die normale Messaging Application, sind dem iPhone keinerlei Informationen über die Länge bzw. die Anzahl der SMS abzuringen. Ich will aber nicht so viel Geld ausgeben (#Wirtschaftskrise) und vor alles vorher wissen wie viel es sein wird.

Lösung

biteSMS . Diese nette Applikation bietet nämlich die folgende Möglichkeiten:

  • Anzeige der verbrauchten bzw. verfügbaren Zeichen und SMS
  • Einfahren der Tastatur um den Rest der Konversation lesen zu können
  • Einfaches Umschalten zwischen Internet-SMS-Gateway und Mobilfunkbetreiber
  • Quick-Reply direkt im Benachrichtigungs-Popup
  • Unterdrücken aller SMS im gesperrten Zustand
  • Vollständiger Ersatz für die Iphone-eigene Nachrichten Applikation

Und vor allem 6 Cent pro SMS.

Vorgehensweise

Erstmal muss das iPhone einem Jailbreak unterzogen werden. Danach kann bequem per Cydia oder Icy biteSMS installiert werden. Hat man das getan, sollte man sich entweder (nach intensivem testen) die Applikation per Spende kaufen oder einfach s.g. SMS-Credits unter http://www.bitesms.com erwerben. Man erhält in beiden Fällen eine SMS die transparent von biteSMS abgefangen und zur Autorisation benutzt wird.

Jetzt will man aber nicht dieses hässliche biteSMS Logo im Dock sehen, sonder wir wollen so gut es geht den “Nachrichten”-Look wiederherstellen. Dazu muss man entweder Mobile Terminal oder OpenSSH auf dem iPhone installiert werden. In beider Fällen reichen zwei Zeilen auf der Kommandozeile:

cd /private/var/stash/Applications/biteSMS.app
cp /private/var/stash/Applications/MobileSMS.app/icon.png ./
echo 'CFBundleDisplayName = "Nachrichten";' > \
German.lproj/InfoPlist.strings

UPDATE ab OS Version 3.1 ist “Applications.pwn” durch “Applications” zu ersetzen. Oben ist das schon geschehen.

Fertig

Das wars. Nun sollte biteSMS der Nachrichten Applikation zum Verwechseln ähnlich sehen. Natürlich lässt sich das an jede Sprache anpassen, muss dann aber in ein anderes Verzeichnis (also nicht “German.lproj”) gepackt werden.

STOP!

author / 06.Jul.2009

Ich finde es ja erstaunlich wie so eine lange Debatte um ein zugegebenermaßen völlig misbrauchtes Thema die Sicht auf ein einfaches, von Kinderhand gezeichnetets Bild, verändert. Ich dachte natürlich sofort der neugegründete Von-Der-Leyen-Aufklärungs-Trupp wäre an diesem Tag in der Kita gewesen…

Speaker's Corner 1988

author / 24.Apr.2009

Das war meine Schule, aber nicht ganz meine Geschichte. Im Herbst 1988 wurden an der ehemaligen EOS Carl von Ossietzky vier Relegierungen, zwei Verweise und zwei Versetzungen gegen Schüler eben dieser Schule ausgesprochen. Und zwar wegen etwas was heute selbstverständlich als “Meinungsfreiheit” bezeichnet wird. Ich gehe jetzt nicht auf die Details oder die Abfolge der Ereignisse ein. Wichtig ist an dieser Stelle nur, dass es sich um schriftlich Meinungsäußerungen in Form einer Wandzeitung gehandelt hat. Mehr kann man zum Beispiel hier nachlesen. Ich bin ca. fünf Jahre später auf die selben verbitterten Idioten mit ihren reaktionären Ausreden gestoßen, als ich genau DIESE Wandzeitung sehen wollte. Es gelang mir, Fotos durfte ich aber keine machen.

Heut war ich in dem s.g. Stasi Museum und bin dort überraschenderweise auf Exzerpte des “Speaker’s Corner”, wie diese Wandzeitung hieß, gestoßen. Ok, es ist über 20 Jahre her, für mich vielleicht 16, aber eines hat mich wirklich umgehauen: Ich fragte mich wirklich, warum man damals so ein Fass aufgemacht hatte. Deswegen?

Die Kombination aus Geschichte, Erinnerungen und Zeit ist ja tückisch. Vergessen und Obsession. Aber meistens eben immer genau in der Mitte. Geschmack- und geruchlos. Und so stand ich nun vor diesen Schreibmaschinenseiten und habe nicht verstanden warum ein Direktor (hier stellvertretend für lebenserfahren und kritikfähig) die Leben von mindestens vier jungen Leben verwirken wollte. Ich habe mich dann versucht auf Gesichter von damals zu konzentrieren. Wartesäle, Büroräume, überall Relikte der “guten alten Zeit”. Langsam kam sie wieder diese Wut, diese Wut nichts ausrichten zu können, gegen riesige Wände zu stoßen und überall nur Ignoranz zu erfahren.

Ich las die Zeilen dann noch zwei, drei Mal und verließ dieses Museum.

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